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Reiseberichte

Oman - Abenteuer Musandam

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Nachdem vor zwei Jahren in 2010 unser Versuch, aus den VAE über Fujarah und Khor Fakkan an der Ostküste die Nordspitze der Omanischen Halbinsel Musandam über den Grenzort Diba zu erreichen gescheitert war, versuchten wir dies nun im Juni 2012 erneut über die Westküste nördlich von über Ras Al Khaimah.
Völlig falsch gezeichnete Karten in unseren Reiseführern Apa Guide und Merian suggerierten uns damals eine gut ausgebaute Straße im Osten dieser nördlichsten Omanenklave bis hoch nach Khasab. Diese erwies sich dann jedoch als böser Schotterweg, der immer schmaler in die wilden Schluchten des Ruus al Jibal Gebirges führte, so dass wir nach sehr gewagten über 50 Kilometern ungeplantem "Offroad Adventure" frustiert wenden und noch am gleichen Tag wieder in die VAE zurückkehren mussten. Zumindest war dort der Grenzübertritt in Ras Dibba an der Oman See ganz einfach. Pass vorweisen und weiterfahren.

Aber nun alles ganz anders. Alle Karten zeigen nun unmissverständlich auf, dass es tatsächlich nach der Dahra Border (UAE) über die Tibat Border (Oman) eine Asphaltstraße an der Westküste hoch nach Khasab, der Hauptstadt von Musandam, geben muss. Super, dann gehen wir das doch wieder an. Zu sechst waren wir lange zuvor in Dubai angereist, vier weitere Freunde stießen erst am Vortag nach einem anderem Vorprogramm in Ras Al Kaimah zu uns.
Abfahrt um 9 Uhr ab unserem recht akzeptablen Hotel in RAK, fast schon zu spät für eine Reise in den Oman. Nach 90 Minuten erreichen wir mit unseren drei Mietwagen die omanische Grenze in Dahra, kurz nach dem bekannteren Ort Ash Sham. Wir müssen aussteigen und rein ins Büro der VAE Grenzer. Kein gutes Zeichen. Fragen, Papierkrieg, Formulare, Check der Autopapiere unserer Mietwagen und Bezahlung einer Gebühr von 35 Dirham pro Person in cash. Gut, das sind keine 10 Euro, aber eine halbe Stunde ist futsch.
Wiederholung des Gesamten 100 Meter weiter an der Omanischen Grenzstation vor Tibat. Nein, so war das eigentlich nicht gedacht. Nun wanderten 50 VAE Dirham über den Counter, das sind weitere 12 Euro. Addiert mit dem Zeitverlust von einer
weiteren halben Stunde stand das Projekt "Abenteuer Musandam" nun echt auf der Kippe.


In HD verfügbar. Erst Film starten und dann unten rechts aufs "Zahnrad" klicken und 720 oder 1080 wählen


Warten auf das Ablegen der Dhau im Hafen von Khasab

Aber gut, alle 10 Personen sowie unsere drei Wagen kamen zumindest ohne Beanstandungen irgendwelcher Papiere an beiden Grenzstationen durch, wir waren endlich im Oman.
Nun aber schnell, die 40 Kilometer nach dem militärisch so bedeutsamen Khasab an der Meeresstraße von Hormuz gegenüber des Iran wollen ja auch noch gefahren werden. Die traumhaft schöne Küstenstraße, links der Arabische Golf und rechts die steilen Hände des Ruus al Jibal Gebirges, sind den Besuch alleine schon wert, der Weg ist das Ziel. Die zu fahrende Höchstgeschwindigkeit beträgt fast durchgängig 50 km/h, also eine weitere Stunde blitzampelüberwachte Sightseeing Schleichfahrt bis nach Khasab.
Endlich da. Da nun schon nach 12 Uhr
, geben die Läden in den laut Literatur so einmaligen Soukhs von Khasab gar nichts her, um die Mittagszeit bei 45 Grad ist hier alles geschlossen.
Also zum Hafen. Keine Ausschilderung, von der Küstenstraße aus ist nur ein großes Betonbecken mit zwei weißen Riesenpötten zu sehen, von hölzernen Dhous weit und breit keine Spur. Aber dann doch. Durch einen Spalt an einem kaschierenden Bauzaun sehe ich ganz versteckt am rechten Rande der großen Bucht von Khasab dunkle Boote. Also die Bucht umfahren und die letzten hundert Meter über eine kaum erkenntliche Schotterpiste zu zwei ins Meer ragenden Landungsstegen. Klasse, gleich hier am ersten Steg liegen gut 20 Dhaus, aber alle nur zum Fischen
aufgetakelt und menschenleer. Enttäuschung macht sich breit.
Andrea hat derweil aber am anderen Steg mehr Glück. Ein Herr, der gerade ins Auto einsteigen und wegfahren will, hält inne und fragt sie nach dem Zweck unseres Besuches hier im Dhau Hafen von Khasab. Er entpuppt sich als ein Mitarbeiter von "Musandam Sea Adventure Travel & Tourism", der wohl einzigen Reiseagentur hier am Ort. Gerade noch eine Ausflugsdhau wäre frei und auch sofort zu haben. Wie im Orient so üblich, gleich die geforderte Chartergebühr für eine Dhaufahrt von 1200 auf 700 Dirham heruntergehandelt, das sind für uns nun pro Person so 17 Euro.
Dreieinhalb Stunden lang soll die Schiffstour gehen, Softdrinks und Obst sind inbegriffen. Ebenso Schnorchelbrillen und Flossen.
Der Kapitän, klassisch gekleidet mit Kaftan und Kopftuch, wirft erst einmal seinen kleinen Teppich Richtung Mekka aufs Deck und betet - alles wird gut.
Um 13:30 Uhr legt der Kahn mit zwei Mann Besatzung ab. Kühlender Fahrtwind kommt auf und mit ihm das erhoffte Glücksgefühl - endlich geschafft.


Kapitän (re) und Bootsmann der Dhau

Die mitgeführten Reiseführer überschlagen sich fast im Lob über diese wildromantische Gegend, die kilometerlangen fjordartigen Meeresarme sind ein ausgesprochener Traum für Naturfreunde. Und tatsächlich. Glasklares Wasser, steil aufragende Felswände und gleich zwei Schmugglerboote direkt vor uns. Aus dem übers Meer nur 50 km entfernten Iran kommen ständig Boote mit Ziegen, Teppichen und Sonstigem, was die total verarmte Landbevölkerung alles so feilbieten kann. Meist bereits vor dem Hafen von Khasab, noch auf dem offenen Meer, werden die Ware getauscht, vornehmlich gegen Elektronik, die im unter internationalem Boykott stehenden Iran nicht zu bekommen ist. In Handumdrehen ist die Ware von Boot zu Boot übergeben und schon saust der Iraner im Höllentempo seines Speedbootes wieder ins Blau des offenen Meeres hinaus.


Schroffe Felswände ragen steil in den Himmel

Der Kapitän steuert nach rechts in eine Bucht, die sich als die Öffnung einer dieser gewaltigen Meeresarme entpuppt. Nachdem ich mich dem Kapitän als Travel Agent geoutet habe, übergibt er mir eine zwar schon zerfledderte, aber sogar deutschsprachige Fotokopie des heutigen Programmes. 16 km ist dieser "Khor Ash Sham" tief, mehrere Minidörfer an den Steilhänden des Gebirges, die nur per Boot erreicht werden können, werden wir passieren, ohne sie jedoch zu betreten, um das abgeschiedene Leben der Fischerfamilien hier nicht zu stören.



Unsere gesamte Gruppe ist sehr guter Dinge, der Blick von unserer mit Teppichen und großen Kissen ausgelegten Dhau aus ist fast schon unwirklich schön. Und dann sind sie plötzlich da, die Delphine, deren Erscheinen wir uns erhofft hatten. Kapitän und Bootsmann pfeifen und klatschen um die Wette, der Gashebel der Dhau geht auf Vollgas. Und tatsächlich, rechts und links begleiten uns plötzlich sausend die Delphine. Unglaublich, sie direkt unter der klaren Oberfläche zu sehen, ohne dass wir irgendwelche Flossenschläge erkennen können. Jedes mal, wenn sie trotz des hohen Tempos auch noch aus dem Wasser schießen, kicken die Kameras, unser Glück ist perfekt - welch ein Erlebnis.
Wir passieren "Nadifi", das erste Dorf des Fjordes mit 120 Einwohnern. Die Kinder werden jeden Samstag per Boot zur Schule nach Khasab gebracht und kommen am Mittwoch zurück ins Dorf, um das Wochenende mit der Familie zu verbringen. Die Regierung stellt den kärglichst lebenden Bewohnern wöchentlich kostenlos Trinkwasser zur Verfügung. Bemerkenswert finden wir auch "Maqleb" mit nur 10 Häusern. Welch ein Leben fernab unserer Vorstellungskraft.


Entgegenkommende Dhau

Die Dhaus, die am Vormittag bereits vor uns in Khasab ausgelaufen waren, stoppen auf dem Rückweg neben uns. Offensichtlich hatten die in Sachen Delphine weniger Glück wie wir, unser Kapitän wendet sofort.
Fast als Belohnung für diese Entscheidung gleich schon wieder spielende Delphine vor uns. Und wieder diese offensichtlich animierende Vollgasfahrt mittendurch zur Delphineskorte. Ja klar, Delpine habe ich auf Reisen schon oft gesehen, als solch rasende "Torpedos" aber noch nie.


Delphine begleiten unsere Dhau

Die Delphine sind abgetaucht, die Fahrt verlangsamt sich, wir nähern uns dem Inselchen "Telegraph Island". Der Anker fällt, nun aber endlich ab ins erfrischende Nass. Welche Labsal, von 45 Grad Lufttemperatur ins "nur" 30 Grad kühle Wasser zu wechseln. Bananengeködert schwimmen wir inmitten bunter Fischschwärme.
Herrlich, da Telegraph Island von einem Korallenriff umgeben ist und damit einer der besten Plätze auch zum Schnorcheln. 1864 erbauten die Briten auf diesem Inselchen eine Telegrafenstation. Sie verlegten ein Unterwasserkabel von Indien nach Basra im Irak, um eine Verbindung zwischen England und Indien zu erhalten. Gut so, die Welt wuchs bereits damals zunehmend zusammen.
Der aufkommende Gedanke, dass auch einer der hier vorkommenden Haie auf uns lauern könnte, vertreibt die 12-jährige B. weinend aus dem Wasser zurück ins Schiff. Klar, ein überschaubares Freibad ist dieser schroffe omanische Meeresarm im Persisch-Arabischen Golf an diesem Ende der Welt dann doch nicht.


Telegraph Island

Reisen abseits ausgetretener Pfade - die Welt erscheint dort besonders reich und schön. Erinnerungen, die bleiben. Auch dank solcher gedanklicher Skizzen, vieler Fotos und Videos.
Der Kapitän betet wieder, sein Teppich weist nun gen Heck, der Bootsmann steuert. Gott, hier als Allah geehrt, ist groß, seine Schöpfung ist herrlich. Hier sogar noch ein gutes Stück herrlicher als anderswo. 
 

Indien - Weltkulturerbe Ellora

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Unser neuer Fahrer am dritten Tag in Aurangabat spricht nun aber ein gutes Englisch, hat gute Manieren und ist rundum freundlich. Gute Voraussetzungen für unseren nun geplanten Trip zu den Höhlentempeln von Ellora.
Unterwegs hält er beim Daulatabad Fort an, der größten Wehranlage Westindiens. Hier sollen wir hinauf? Der höchste Punkt des auf hohen Felsen gelegenen Forts erhebt sich bestimmt 200 Meter, und das bei nun bestimmt schon wieder fast 40 Grad im Schatten. Kein Pardon, in solchen Sachen sind wir meist hart, ein weiches Sofa haben wir zuhause. So steigen wir über 90 Minuten lang bergan, herrliche und überraschende Perspektiven tun sich auf. Welch kolossale Wehr- und Gebäudekomplexe, trutzig für die Ewigkeit gebaut.


Foto: (c) Samuel Degen. Das gewaltige Fort in Daulatabad

Das war klasse, wenngleich wir dann erst nach über zwei Stunden wieder beim Parkplatz sind. Und wieder einmal wurden auch wir dutzende male fotografiert, fast jeder der vielen Inder zückte im Vorbeigehen versteckt sein Handy, um unser helles Fleisch abzulichten. Andrea trägt auch heute wieder ihren fast bodenlangen schwarzen Rock, sonst wären es vermutlich doppelt so viele Handyaufnahmen geworden, halbnackte Damenbeine gibt es hier absolut nicht. Wie wir heißen, aus welchem Land wir kommen, wie uns Indien gefällt. Und dies nicht, wie fast  überall andernorten, nur als Aufhänger zu hartnäckigen Verkaufsvorbereitungen für irgendwelchen Plunder, nein, da ist echtes Interesse ohne Hintergedanken an uns als Gäste des Landes. Die Männer grüßen freundlich, manche klopfen mir freundschaftlich auf die Schultern. Wo es doch in Indien freundschaftlich völlig normal ist, dass Männer Hand in Hand spazieren gehen.


Foto: (c) Samuel Degen. Indische Besucher kommen von weither, um die Pracht des Kailash-Tempels zu bewundern.

Nun durch die heftige Klettertour gut „aufgewärmt“ wenige Kilometer weiter nach Ellora. Und dort  wieder eine erfreuliche Überraschung. Die Höhlentempel hier sind zwar nicht so malerisch wie in Ajanta in eine senkrechte Felswand gehauen, dafür aber sind sie noch gewaltiger, noch eindrucksvoller. Nun rächt sich unser sportives „Vorprogramm“ doch, wir schaffen nicht alle 34 Höhlen. Nach 4 Stunden bei gefühlten 45 Grad geben wir entkräftet auf, nicht jedoch ohne die wichtigsten 20 Tempel intensiv inspiziert und fotografisch dokumentiert zu haben. Und das im Beisein unseres nun 12-jährigen Jo, der seit 10 Jahren diese unsere üblichen Mördertouren mehrmals jährlich rings um den Globus recht klaglos mitmacht und nicht ständig, wie seine meist total verweichlichten Altersgenossen, auf Mallorca ständig nach Pommes und Pool jammert.
Vor allen den Tempel Nummer 16, den Kailash Tempel, werden wir wohl nie vergessen. Dessen Dimension und Qualität, die Tempel von Elora sind ebenso wie die Tempel in Ajanta monolithisch am Stück aus dem Felsmassiv gehauen, gehört zum gewaltigsten, was wir je, von künstlerischer Menschenhand geschaffen, gesehen haben.
Nur die in fast allen Tempeln von Ellora ins Auge stechenden massiven Beschädigung durch die Islamisten, wie bereits erwähnt, machen uns noch nach Jahrhunderten wütend. Die abgeschlagenen Nasen, Hände und Füße an den schönsten Statuen sind grauenhaft und, da diese Taten gegen Einrichtungen oder Kultgegenstände anderer Religionen bis in die heutige Zeit fortwähren, nicht ansatzweise akzeptabel.


Foto: (c) Samuel Degen. "Weltwunder" Ellora, Tempel No 16, der "Kailash-Tempel"

So einerseits von der einmaligen Schönheit von Ellora überwältigt, als auch andererseits emotionell „geladen“, wollen wir dann aber doch noch nicht schlapp machen und am späten Nachmittag auf dem Rückweg zum Hotel noch versöhnlich nach Khuldabad an das Grab des letzten großen Moguls Aurangzeb, jenes islamistischen Täters, der die Zerstörungen in Ellora der für ihn "heidnischen Symbole" befohlen hatte, besuchen.
Ein Blinder leiert am Grab, das eine wahre islamische Wallfahrtsstätte darstellt, auf Englisch Ruhm und Ehre des Verstorbenen herunter, so auf die Art, den Buddhisten, Hinduisten und Jainisten habe der es aber so richtig gezeigt. Kein Wort von Reue, von Entschuldigung, von Verirrungen in der Geschichte. Dagegen nur Stolz, Ruhm und Ehre im Namen des Propheten.


Foto: (c) Samuel Degen. Lobpreisungen in Khuldabad auf die Taten des 1707 verstorbenen Aurangazep

Diesen Moscheebesuch hätten wir uns somit wirklich sparen können, wieder ein dunkles Mosaiksteinchen in meinen seit über 30 Jahren weltweit gesammelten düsteren Erkenntnissen und Erfahrungen über die dumpfe Gewalt, die zu oft von diesen Leuten ausgeht. Wo ich doch Anfang der 80er Jahre so optimistisch und wissbegierig in die Weiten des Orients aufbrach, um die literarisch so vielgepriesenen Weis- und Klugheiten des Islam bereichernd selbst zu erfahren. Welch ein Irrtum...

Abends dann nach dem labendem Geplansche im Hotelpool obligatorisch sofort alle Aufnahmen des Tages auf die Festplatte das Netbooks gesichert, undenkbar, durch den Defekt einer Speicherkarte die Ergebnisse unserer aufwändigen Reiserecherchen zu verlieren.

Nun mit Jet Airways zurück an die Traumstrände von Goa, mit Umsteigen in Bombay. Dort dann aber ein ungeplanter Aufenthalt von 6 Stunden, da die Landebahn von Goa wegen Reparaturarbeiten zeitweise gesperrt sei.  Ok, da bietet sich doch eine Stadtrundfahrt in Bombay an. Schnell in der Nähe des Airports für pauschal 1.600 Rupien ein recht dubioses Chartertaxi gefunden, da uns kein Reise- oder Infoschalter im Airport weiterhelfen kann. Das Ganze aber nur ein Reinfall: zwei Stunden zähe Staufahrt in die 40 km entfernte City von Bombay, nur eine halbe Stunde Spaziergang rings um das weltberühmte Gateway of India und wieder zwei Stunden Staufahrt zurück zum Airport. Wenige Fotos als Ausbeute aber dafür eine große Erfahrung reicher: nie wieder Bombay.


Foto: (c) Samuel Degen. Das Taj Mahal Palace in Bombay am Gateway of India

 

Indien - faszinierendes Aurangabat

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Am zweiten Tag steht nun eine „Stadtrundfahrt“ in und um Aurangabat auf unserem Plan. Was soll  es hier in diesem staubigen und gottverlassenen Kaff, das immerhin über 1 Mio Einwohner hat, so tolles zu sehen geben?
Unser der englischen Sprache nicht mächtige Fahrer, dessen Qualitäten sich rein auf den Besitz 
eines großen Jeeps der Marke Tata beschränken, fährt uns zuerst an den Stadtrand zum „Little Taj Mahal“, das zumindest kann er kommunizieren.
Zwischen 1682 und 1707 war die Stadt Sitz des indischen Großmoguls Aurangzeb. Das Bibi-Ka-Maqbara, eine Nachbildung des Taj Mahal, wurde 1697 von Azam Shah, einem Sohn von Aurangzeb, für seine Mutter Dilras Banu Begum als Mausoleum errichtet und erinnert an die Epoche der Mogulherrschaft.


Foto: (c) Samuel Degen. Bibi-ka-Maqbara - der "Little Taj Mahal" in Aurangabat

Wunderbar, es sind kaum Besucher da, die den Blick auf das Gebäude, das dem „echten“ Taj Mahal in Agra verblüffend ähnlich sieht, verstellen könnten. Die Sony R1 klickt und klickt. Nur die Springbrunnenanlage, die schnurstracks auf das Gebäude zuläuft, führt kein Wasser.
Der Himmel ist stahlblau, die Luft klar, bessere Bedingungen für echte Postkarten gibt es wohl kaum. Also, den Effekt genutzt und die Außenaufnahmen zusätzlich um ½ Blende unterbelichtet, Erinnerungen an die Bonbonfarben des legendären Fuji Diafilms kommen auf. Der Polfilter bleibt in der Tasche, der würde das Ganze dann doch überzeichnen.
Im Mausoleum sind wir allein, so dass wir das Grabtuch der hier bestatteten Dilras Banu Begum, auf das unzählige Münzen hinuntergeworfen wurden, aus den wirkungsvollsten Winkeln fotografieren können. Nur Videoaufnahmen sind nicht erlaubt, aber hier drinnen gibt es gerade sowieso nichts zu filmen. Bis dann die Schulklassen kommen. Nicht eine, nein viele viele. Diszipliniert, wie dies hier in Fernost so üblich ist, die Kleineren Hand an Hand. Nun wären Filmaufnahmen doch gut gewesen bei der lautstarken Umrundung des Grabes. No go, plötzlich sind Wächter hier, die uns das strikt untersagen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schulkinder im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum

Also, dann halt draußen die vielen Fragen der Lehrer beantwortet. Nach dem Woher, dem Wohin. Die Kinder sitzen derweil brav auf dem Boden und begaffen uns wie Marsmenschen. Sicherlich aus der noch tieferen zentralindischen Provinz angereist und deshalb uns Bleichgesichter bislang nur im TV und nun erstmals real gesehen. Anfassen ist wichtig, unsere Haut und Haare wollen alle berühren. Wieder klickt meine Sony R1 wie eine Maschine und unsere beiden Videocams laufen ebenso heiß. Nahaufnahmen sind angesagt. Zwar sind die Schüler der höheren Klassen mit blauen Schuluniformen recht sauber angezogen, weil dies Pflicht ist. Aber die Haare der Kinder sind meist struppig wie Stroh, der Hals, die Gesichter und die Beine ungewaschen, der strenge Geruch bezeugt das Fehlen jeglicher Sanitäreinrichtungen in den meist allereinfachsten Behausungen der Familien. Aber sie können zumindest, im  Gegensatz zu Millionen anderer Kinder in Indien, die hart arbeiten müssen, zur Schule, dürfen lernen und haben damit eine reale Chance, am hier gerade explodierenden Wirtschaftswunder teilzunehmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schüler im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum mit unserem Jo

Weiter geht es nach ausgiebigem Winken und Händeschütteln zum Abschied zu den Höhlentempeln von Aurangabat. Ja, die gibt es auch, wenngleich sie in Größe und Anzahl mit denen von Ajanta und Elora nicht mithalten können. Auch beträgt das Eintrittsgeld hier nur 100 Rupien anstatt der dort verlangten 250 Rupien, wenngleich dies für Inder überall gleichermaßen nur 10 Rupien beträgt. Aber auch dieser Besuch lohnt sich. Die Qualität der Höhlentempel ist überragend, auch hier machen wir Aufnahmen, was das Zeug hält. Zudem war kein Wärter anwesend, so dass ich erstmals nun ungeniert in den Höhlen blitzen kann. Wenngleich ich auch so weit es geht versuche, mit dem düsteren vorhandenen Licht auszukommen, der natürlichen  Lichtstimmung wegen. So unschlagbar gut die Schärfeleistung des  fest verbauten 24-120 mm (nach KB) Carl Zeiss Vario-Sonnar an meiner Sony R1 auch ist, des APSC große Aufnahmesensor der etwas betagten Kamera ist überaltert und rauscht deshalb bei ISO Einstellungen ab 800 ASA. Zudem hat sie keinen Stabilisator. So suche ich mir immer Auflagen oder Anlehnmöglichkeiten, um mit 1/8 Sekunde oder noch langsamer belichten zu können. Durch jahrzehntelange Reportagefotografie mit konventionellen 27DIN = 400 ASA Schwarzweißfilmen war ich in Sachen Lichtempfindlichkeit nie verwöhnt, nur waren früher meine diversen Nikon Festbrennweiten an meinen mechanischen Nikon F2 Bodys mit Lichtstärken zwischen 1,4 (50mm) und 2,8 (180mm) schon lichtstärker wie nun das Carl Zeiss Vario Sonnar mit einer Lichtstärke von nur noch 3,5 bis 5,6 je nach Zoomstellung.
Was soll´s, gute Fotos macht zu 80 % der Fotograf, zu 18% das verwendete Objektiv und nur die fehlenden 2% der total überbewertete andere technische Firlefanz. Nach mehreren hundertausend Reportagefotos in den vergangenen 30 Jahren rund um den Globus nehme ich mir heraus, das so zu bewerten.


Foto: (c) Samuel Degen. Höhlentempel in Aurangabat

Unsere nächste Station bei dieser Stadtrundfahrt soll nun der legendäre Mittwochsmarkt von Aurangabat sein, auf dem die landwirtschaflichen Erzeugnisse der Region angeboten werden. Unserer Fahrer signalisiert, dass er unseren wieder englisch vorgetragenen Wunsch irgendwie verstanden habe und kutschiert uns eine Stunde lang durch das Gewühl der Innenstadt – zu einer Shopping Mall. Klasse, wir sind kurz vor dem Ausrasten. Wie nur kann, nein, lassen wir das...
Wieder mit seinem Chef telefoniert, nun scheint es ihm endlich klar zu sein, was wir wollen. Eine weitere halbe Stunde später sind wir dann endlich da.
Ja, das ist das Bilderbuchindien, das vielerorts schon verschwunden ist. Marktschreier, Taschendiebe, Rinderhändler. Nach so viel Herumfahrerei toben wir uns nun nach Herzenslust aus. Die Videocams schnurren, selbst Andrea ihre wuchtige HD Sony spult mächtig Magnetband ab. Wo sie doch sonst immer bestrebt ist, überlegt und dezent nur die wirklich wichtigen Szenen zu filmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Auf dem Wochenmarkt von Aurangabat

Ich selbst benutze neuerdings eine kleine Panasonic Videocam, die auf SD Karten speichert, und ganz nette Qualität im Full HD Format liefert. Ein indischer Marktschreier muss halt gefilmt werden, da ist die reine Fotografie einfach nicht authentisch genug. Bei meinen vertonten „Live-Film-Shows“, per Beamer auf mindestens 6 qm Leinwand projeziert und live kommentiert, die fast alle abendfüllend 2 x 1 Stunden lang sind, ist das Verhältnis Foto zu Video neuerdings schon gleich, die Feedbacks der Zuschauer führten dazu. Begonnen hatte ich mit dieser Art der modernen Beamer Bildpräsentation vor Publikum vor 8 Jahren rein mit vertonten und animierten Fotos, der Anteil der Videosequenzen in den Vorträgen wuchs seither stetig.
Am beeindruckendsten für mich sind heute die glänzenden Rinder. Um sie so richtig „wertvoll“ zum Verkauf präsentieren zu können, wurden sie von den Händlern zuvor komplett vermutlich mit Öl eingerieben. Ebenso erstmals fiel mit auf, dass fast alle Kühe mit ihren neugeborenen Kälbern angeboten wurden.
Deprimierend die weit verbreitete Kinderarbeit, fast an jedem Stand waren sie im schulpflichtigen Alter bei den härtesten und dreckigsten Arbeiten zu sehen. Mit traurigem Blick, den Kopf abgewandt, wenn sie in ihrem geradezu verwahrlosten Zustand unsere Kameras auf sich gerichtet sahen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis dieses dunkle Kapitel im größten demokratischen Land unserer Erde endlich wirkungsvoll beendet ist.

Ein Junge fällt uns auf, der eine kurze Hose trägt, wie wir sie mit unseren „Kleiderspenden“ mitgebracht haben. Komisch, Andrea hatte doch die Beutel mit den zur heutigen Verteilung vorgesehenen Sachen doch im Auto gelassen.
Unser Verdacht bestätigt sich. Nach Rückkunft zum Auto sind fast alle der tollen Kleidungsstücke verschwunden, vor allem die über 20 hochwertigen Jungenhosen. Nach Ankunft in unserem Hotel stellt sie den Fahrer zur Rede. So war das nicht gedacht, das er sich da ungeniert bedienen und diese selbst nach Gusto verteilen könne. Plötzlich versteht er doch so viel Englisch, ja er wolle die Sachen am nächsten Tag wieder zurück zurückbringen. Da steht aber dann ein neuer Fahrer vor dem Eingang unseres Hotels, der alte habe nun frei...

 

Indien - Weltkulturerbe Ajanta

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Die Meute der Taxifahrer meint es ernst. Ein heftiges Gezerre bereits in der Ankunftshalle um die wenigen Weißen, die jetzt noch in der beginnenden Nebensaison im Backofenmonat April hier am Flughafens von Aurangabat erscheinen.
Um dem Gefeilsche zu entgehen, erst mal zum „Prepaid Taxicounter“. Erfahrungsgemäß sind hier die Preise immer ok und die Anbieter meist seriös. Was soll eine Taxifahrt in unser 7 Kilometer entferntes Hotel „Ambassador“ kosten? 200 Rupien? Das sind gerade mal gute 3,- Euro.
Klar, dass wir auch hier einem Paketpreis für ein Chartertaxi für unsere drei ab morgen geplanten Ganztagestouren nachfragen. Einen Tag zu dem 130 km entfernten Ajanta, einen Tag Stadtrundfahrt in und um Aurangabad und einen Tag nach Elora, das auch gute 30 km von Aurangabat entfernt ist. Ok, 5.500 Rupien Endpreis sind in Indien ein Monatsverdienst, aber beim aktuellen Wechselkurs von 66 Rupien für 1 Euro für uns dagegen steinreiche Westeuropäer „nur“ ca. 85,- Euro, und das auch noch für einen fetten Jeep der indischen Marke Tata. Deshalb ohne das hier sonst übliche Handeln sofort zugesagt. Solch günstige Taxipreise kennen wir weltweit seit Jahren kaum noch, normalerweise gibt es hierfür maximal einen klapprigen Kleinwagen. Und wer indische Straßen kennt, weiß, was für ein Komfortvorteil ein großer Jeep dagegen bietet.
In 10 Minuten sind wir da. In unserem 5 Sterne Ambassador. Mangels vakanter Mittelklassealternativen hatten wir uns hier eingebucht. Klar, total überbewertet, aber mit 70,- Euro für das saubere Zimmer die Nacht inklusive Frühstück noch im Rahmen. Entscheident war bei der Wahl der große Pool, der nach den anstehenden ultraharten Touren echte Labsal für unsere dann ausgekochten Leiber verspricht. Ein unverzichtbares Detail hier im glühendheißen, staubigen und unwirtlichen Herzen von Indien, nur die wenigsten Hotels bieten diesen Luxus.
Pünktlich um 8 verlassen wir am nächsten Morgen das Hotel und halten vergeblich Ausschau nach unserem Tata. Telefonisch behauptet unsere Taxifirma, dass der eigentlich hier sein müsste. OK, um 8:20 Uhr ist es dann endlich soweit, der Wagen rollt auf das Hotelgelände. Seit Jahrzehnten werden wir mit überpünktlichen Fahrern in Fernost geradezu verwöhnt, was ist hier los?

Der Fahrer sagt freundlich „Good Morning“, das war es dann aber auch. Er ist der englischen Sprache nicht mächtig. Und das in einem Land, in dem Englisch im Business durchgängiger Standard ist.
Ok, wir haben ja unser dickes Stefan Loose Reisehandbuch dabei. Unser heutiges Ziel Ajanta ist immerhin anerkanntes UNESCO Weltkulturerbe und wird so schon ausgeschildert zu finden sein. Da wir unterwegs aus dem fahrenden Auto auch noch fotografieren und filmen wollen, soll der Fahrer zwischendurch auch anhalten oder zumindest langsam fahren. Schwierig, schwierig, auch unsere Gebärden bleiben meist unverstanden. So greift er immer wieder zum Mobiltelefon, wählt seinen Arbeitgeber, welcher dann unsere Fragen beantwortet.
Nach zweieinhalb Stunden sind wir endlich da. Ein Pulk sehr penetranter Händler quillt aus den unzähligen Shops am Eingang raus auf den Parkplatz, es offenbart sich das Indien, vor dem sich viele Reisende geradezu fürchten. Mit hilflosem „yes yes“ abgetrotzte Versprechungen, zumindest nach Rückkehr von den Höhlentempeln dann die allzu heftig beworbenen Souvenirshops zu besuchen. Keiner unserer Blicke, keine unserer Gesten bleibt von den Händlern unbeobachtet und in eine Kaufabsicht umgedeutet. Nichts wie weg hier, der Shuttlebus wartet, der uns die letzten vier Kilometer zu den Höhlentempeln von Ajanta bringt. Es ist nun bereits 11 Uhr, der Planet steht senkrecht am Himmel und brennt unerbärmlich. Gottseidank ist es in den Höhlen etwas erträglicher und die Hitze, im Schatten herrschen weit über 40 Grad, ist recht trocken.


Foto: (c) Samuel Degen. UNESCO Weltkulturerbe Ajanta

Ein Wunder tut sich uns auf, alle Strapazen der weiten Reise haben sich gelohnt. Welche Pracht, welche Einmaligkeit. Die 29 Höhlentempel wurden tief in die hohe senkrechte Felswand getrieben, die sich malerisch um eine Flussbiegung windet. Für die unzähligen Säulen, Statuen, Kammern und Bildnisse wurde in architektonischer Höchstleistung kein Baumaterial in die Höhlen eingebracht, sondern alles rein monolithisch präzise aus dem vorhandenen Felsmassiv herausgehauen. Unglaublich. In vielen der Höhlen sind noch großflächige Wandmalereien erhalten, so dass hier das fotografieren mit Blitz verboten ist, angeblich schadet das Blitzlicht den Bildern. Immerhin findet sich in diesen nur schummrig erleuchteten Höhlen meist ein Geländer, auf das sich die Kamera auflegen lässt und somit Langzeitbelichtungen von 1-2 Sekunden möglich sind. Ein Stativ schleppe ich nie auf unsere vielen Reisen in die Ferne mit, zu hinderlich wäre das bei unseren ausgedehnten Trecking- oder Motorradtouren fernab ausgetretener Pfade.


Foto: (c) Samuel Degen. UNESCO Weltkulturerbe Ajanta

Glück haben sie gehabt, die buddhistischen Höhlentempel von Ajanta. Dank Jahrhunderte langer Verschüttung und Überwucherung wurden die Eingänge unsichtbar und die Höhlen damit vergessen. Gut, nur so wurden sie auch von den islamischen Eiferern im Mittelalter der auch leider hier mit dem Schwert eindringender Islamisten übersehen und vor deren Zerstörung bewahrt. Ganz im Gegenteil zum den unweiten Höhlentempeln von Ellora, wo Allahs Gefolgsleute mit brutaler Wut schlimme Zerstörungen und Beschädigungen an den Kunstwerken der für sie „Ungläubigen“, also der Buddhisten, Hinduisten und Jainisten vollführten.
Deren Hass auf Andersgläubige ist leider bis heute ungebrochen, nur wenige Jahre ist es her, als die Islamisten in Afghanistan sich über den Schutz der UESCO hinwegsetzten und weltweite Schlagzeilen machten, in dem sie die in den Fels gehauenen riesigen 54 Meter hohen Buddha-Statuen von Bamian sprengten, die im 6. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen in den Felsen geschlagen worden waren. Auch dies ein unersetzlicher Verlust für die Menschheit auf dem Konto dieser unerträglichen Rechthaber.

Fast fünf Stunden lassen wir uns Zeit, auch wirklich alle der Höhlentempel, die bis zu 30 Meter breit, 15 Meter tief und 4 Meter hoch sind, intensiv zu begutachten. Über 30 Jahre wurde an einer Höhle gebaut, und das vom 2. bis zum 5. Jahrhundert nach der Zeitenwende.

Im 5. Jahrhundert erreichte eine Welle der Feindlichkeiten gegen Buddhisten in ganz Indien auch dieses abgeschiedene Tal. Die Buddhisten wurden vertrieben. Die Höhlen gerieten, gottseidank unzerstört, einfach in Vergessenheit.

Im April 1819 passierten Angehörige der britischen Madras-Armee das Ajanta-Ghat. Während einer Tigerjagd ergründete der britische Kavallerieoffizier John Smith die kaum zugängliche Schlucht und entdeckte die seit Jahrhunderten verwaisten Höhlentempel, die danach nach und nach freigelegt und zugänglich gemacht wurden.

Sehr erfreulich ist, dass das Fotografieren nicht gänzlich verboten ist, wie weltweit zunehmend bei Kulturdenkmälern dieses Kalibers. So lege ich los, ab 13 Uhr „stört“ fast kein anderer Besucher mehr meine Perspektive, es ist mit nun bestimmt 45 Grad im Schatten für die meisten Leute zu heiß. So kann ich, im Jagdfieber kenne ich keinen Schmerz, in Summe viel Licht durch mein exzellentes Carl Zeiss Vario Sonnar 24-120 auf den Sensor meiner legendären Sony R1 jagen. Der Verschluss der Kamera klickt an diesem Tag viele hundert mal. Welche Beute, welcher Lohn.


Foto: (c) Samuel Degen. UNESCO Weltkulturerbe Ajanta

Der Spießrutenlauf auf dem Rückweg durch die bellenden Händlerscharen ertragen wir nun fast mit beschwingter Freude, als gefühlter Sieger des Tages gönnen wir uns noch ein, von dutzenden leer ausgegangener Händler begafftes, Cola und entschwinden dann in unserem Tata. Nicht ohne vorher feststellen zu müssen, dass es wirklich noch zentimeterdick zugeschissene Klos gibt, die zu Beginn des 3. Jahrtausends zumindest an Kulturstätten mit einem Eintrittsgeld von 250 Rupien der Indischen Vergangenheit angehören müssten.

Auf dem Rückweg halten wir mehrfach vor Häusern, deren Art und Zustand durchaus als biblisch bezeichnet werden kann. Die Wasserbüffel liegen ohne eigenen Unterstand in der glühenden Hitze einfach vor den Häusern auf dem Boden, auch hier ist, wie meist bei unseren Fotorecherchen in der gesamten sogenannten 3.Welt, die bittere Armut der Menschen für uns Fotoromantik pur – welch ein bitterer Widerspruch.
Weit über die Hälfte unseres Gepäckvolumens, uns selbst genügen in Asien je 5 kg Gepäck, haben wir ab Deutschland in unseren Koffern genutzt, um abgelegte, aber noch gute Kinderklamotten und auch taugliches Spielzeug mitzubringen. So bilden sich Trauben von Kinder um uns, um auch etwas zu erhaschen. Dass die in der dritten und vierten Reihe um uns stehenden Erwachsenen den Kinder die „neuen“ Sachen gleich wieder wegreißen, kennen wir seit Jahren, irgendwie werden die das schon regeln...

 

Indien Goa - Sehnsucht Palolem

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Achtung: Bei der Lektüre dieses Artikels unbedingt Prem Joshua höhren Lächelnd
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Ja, nun ist es wieder mal soweit. Der Winter war hart, nicht nur bei den Temperaturen.

Auch ein völlig unerwarteter Ansturm auf unsere handgeschmiedeten Reisen machte unser Büro für fast zu viele Stunden zum Zentrum des täglichen Geschehens.
Noch auf die Ferientermine angewiesen, waren nun die Osterferien die erste Gelegenheit in 2012, sich dem seit Jahrzehnten ungebrochen fortwährenden Fernweh hinzugeben. Und auch noch richtig Glück gehabt, da erst vier Wochen vorher für echt bezahlbares Geld drei Tickets im Direktflug nach Goa in Indien zu bekommen waren.
Die übliche Hektik im Vorfeld, zu viele Termine, sich häufende Kundenanfragen. Das ist immer so, zumindest gefühlt dann doppelt so viel Arbeit wie normalerweise.
Was nun dort im fernen Indien, das uns erst spät an Herz gewachsen ist, in der Kürze der Zeit unternehmen?
Jahrelang standen im Focus unserer vielen Asienreisen die netten Klassiker wie Thailand, Malaysia, Indonesien, Singapore, Hongkong, Sri Lanka und der ganze Rest, aber dann erweitert auch Indochina mit seinen Perlen Vietnam, Maynmar, Kambodscha, Laos usw.
Nun aber dann endlich auch Indien als den ganz großen Hafen der Sehnsucht entdeckt. Zuerst, gestählt als später 68er, als Einsteigertour durchs Hippieparadies Goa mit seinen unglaublichen Mittwochs Anjuna- und Ingo`s Saturaday Night Markets und als Gaffer durch die THC-rauchgeschwängerten Strandbars am Little Vagator Strand. Bös angefixt, später dann auch durch Kerala und Tamil Nadu mit der Steilküste von Varkala, schier unendlicher Bootsfahrten durch die Backwaters, den gewaltigen Tempeln von Madurai bis hin zur wunderbaren Kulturstätte Mammalapuram etwas südlich von Madras.
Und nun wieder nach Goa. Aber nach geplantem dreitägigem Einstieg am südlichsten Strand Palolem soll es dann gleich wieder in den Flieger und über Bombay nach Aurngabad gehen, dem Tor zu unserer aktuellen Sehnsuchtsdestination Elora und Ajanta.
Zeit zum zur spontanen Entscheidung, wohin und wie lange gibt es keine mehr, leider. Das ist lange her, viel zu lange. Die Gedanken schweifen zu den ersten Fernreisen nach Thailand Anfang der 80er Jahre, als eine Woche mehr oder weniger hier und da allem mit süßer Leichtigkeit den eigentlichen Sinn gab.
Der Flieger rauscht, der Service ist mehr als mäßig. Abgespeckt fast von jedem, sicherlich kostenintensiven, Bordservice verkam die Condor in den vergangenen Jahren zu reinen Transportvehikel.

Was soll`s, da kann mir die fliegende Servicewüste Deutschlands die Vorfreude auf das nun stündlich näherkommende Indien nun nicht mehr trüben.


Foto: (c) Samuel Degen. Südliches Ende des Palolem Beaches.

Und endlich da. Der Flieger hatte etwas Verspätung, so dass es fast schon graute, als wir um fünf Uhr aus dem Airport kamen. Nicht ohne auch dieses mal das für Indien so typische Behördenchaos erlebt zu haben, zumindest ansatzweise. Ausgefallene Computer, Ausgabe des Gepäcks am Band ohne Bezahlung unsinniger Handreichung nur gegen Diskussionen. Was soll`s, wir sind endlich draußen.

Die Preismauer der wartenden Taxifahrermeute funktioniert, die gegenüber einer Rückfahrt um 20% höheren Einheitspreise ab Airport sind nicht zu knacken, 23,- Euro werden für die 65 km fällig, in Indien für viele ein kleines Vermögen.
In eineinhalb Stunden sind wir in Palolem. Über nagelneue Straßen, die wir von unserem letzten Besuch vor wenigen Jahren so nicht kannten. Gesäumt von Müll, nicht einmal der war da oder ist uns zumindest damals nicht so krass in den nun neu geschlagenen Wunden im Grün aufgefallen.
Der Palolem, immer noch Hort der Sehnsüchte zivilisationsgeplagter Aussteiger, Backpacker und nun natürlich auch der heute so angesagten Tatoofans. Selbst 70-jährige mit eingestochenem Jing-Jang Kringel auf dem Bauch sind heftig dabei, wenn die Szene sich feiert. Auch wir werden 70 und wissen dann zumindest, wohin...
Babylonisches Sprachengewirr, fast scheint es, nur die indischen Gäste unterhalten sich untereinander in Englisch. Kein Wunder auch, wo es hier doch viele Hauptsprachen und hunderte von Dialekte gibt. Und, da als schönster Strand von Indien anerkannt, kommen sie herbei, vor allem um halbnackte westliche Hippibräute, Yogaasketinnen und sonstige Sinnsucherinnen im knappen Bikini meist nur platonisch zu begrabschen und im Geiste restlich auszuziehen. Peramanent wollen sie mit ihrer Beute am Strand fotografiert werden, um dann Zuhause stolz ihre Trophäen von hellem Fleisch präsentieren zu können.

Cuba, Nirwana & Co., wie die Strandbars so alle heißen, bekochen die Gästeschar meist mehr schlecht wie recht. Um die Preise niedrig zu halten, so ein typisch indisches Chicken Masalla mit Nan kostet konstant so um die 3,- Euro, wird halt an der Qualität gespart.
Nur der Preis für eine frischzisches Kingfisher Flaschenbier, mit reichlichen 0,66 Litern Inhalt bei der Hitze auch richtig durstlöschend, kostet seit Jahren unverändert um die 1,5 Euro. Und das nicht nur im Supermarkt, sondern direkt in den angesagtesten Beachbars.

Da schlägt das Aussteigerherz doch höher, nach ein zwei Joints dann noch zwei drei Biere, die obligatorische Goan Trance Musik immer direkt ins Ohr, der weite Weg nach „Indien“ war für die vielen freaks hier echt lohnend.

Erste Massentouristen, sicherlich aus Novosibirsk, laufen über den Strand, eine 150 kg Frau, die die anderen Olga rufen, stampft pinkgewandet und grell geschminkt wie ein Schlachtross vorneweg, die anderen mit Goldketten und Hawaiihemden hinterher. Oh, nun auch hier, diese Besucherwende war auch in vielen anderen Traumzielen das Ende der Heimstatt von Travellern.

Und dann kommt der Samstag und mit dem die lokalen Wochenendurlauber für eine Nacht. Unsere Bungalowanlage ist plötzlich ausgebucht, wir ahnen immer noch nichts. Umso heftiger überrascht uns dann der Sturm der Nacht. Diese trinkfeste Burschen sitzen wie angenagelt vor den Hütten, selbst noch morgens um fünf. Der Sprit macht sie aggressiv, Stunde um Stunde wird ihr nächtliches Geschrei und Gehabe lauter und lauter. Eine Eskalation naht, Nachbarn brüllen zurück. Der klügere gibt nach, ein Streit gegen Besoffene ist nie zu gewinnen. Um die Mittagszeit am Sonntag ist es dann vorbei mit den Rabauken, check out und runter dann zum Strand. Während die einen dort noch weiter ihren Rausch ausschlafen, tanken die anderen schon wieder ihren mitgebrachten Billigfusel nach. Den Müll, die Flaschen und auch Scherben lassen sie dann am Strand zurück, der Spuk ist nun aber endgültig vorbei, der Stand gehört wieder den Freaks, der nächste Samstag ist weit.

Unsere ausgedehnten Spaziergänge auch über die Klippen am nördlichen und am südlichen Strandende verdeutlichen die einmalige Schönheit des Palolem, die Kamera klickt und klickt. Ayurveda, Yoga, Massagen, überall Schilder und Einladungen, überall Trance Musik und betörend süßer Räucherstäbchenduft. Dazu Strandhändler der angenehmeren Sorte, die gleich nach einem Abwinken dankend weitergehen.
Und immer wieder rein ins Nass der klaren Wellen, einfach herrlich. Und Abends dann durchs Village direkt hinter dem Strand, wo unzählige Buden und Restaurants auf Kundschaft warten. Die Näher mit ihren Nähmaschinen erregen unsere besondere Aufmerksamkeit. Kunstvoll und behende besticken sie T-Shirts mit Wunschmotiven, von denen eine große und überzeugende Auswahl an der Wand hängt. Die Fertigstellung unsere vier  Aufträge samt unserer Namen auf der Rückseite werden bis zum nächsten Mittag zugesagt, zum Preis von 8,- Euro je fertigem Shirt.
Und natürlich für mich die magnetischen CD Händlier, die Ware ist sichtlich billig kopiert. Aber fünf CDs von Prem Joshua, dem Deutschen, der seit 20 Jahren die beste indische Musik macht, im Paktet für 7,- Euro sind einfach zu verlockend. Nicht nur „Water Down The Ganges“ wird nun bald auch Zuhause in glasklarem original CD-Sound ertönen und endlich meine schlechte MP3 Version ablösen, auch der legendäre„Funky Guru“ wartet nun auf meine Erhöhrung.

Ein wunderbarer Einstieg in unsere diesjährige Indienreise. Drei Nächte reichen uns hier am Palolem, um in Indien anzukommen und einzustimmen auf den harten Kulturtrip, der uns nun per Flieger via Mumbai ins, im April nun glühend heiße, Herz von Indien nach Aurangabat zu   schweißtreibenden Touren durch das Weltkulturerbe Elora und Ajanta & Co führt.


Foto: (c) Samuel Degen. Palolem Beach - der schönste Strand Indiens

 

Retrospektive von Samuel Degen in Vorbereitung

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Die Aktion: Mit meiner legendären Nikon F2 mit 17 mm Weitwinkel Objektiv. 80er Jahre. Chiang Dao, ca 60 km nördlich von Chiang Mai. Das Foto von mir machte mein langjähriger Reporterkollege Thomas P. Wiegand.
Mein Foto von der Erdgöttin Toranee wurde so gut, dass ich es als Titelbild des Bildbandes "Thailand - zwischen Tradition und Tourismus" verwendete.

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Die Geschichte dahinter: Als Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, 49 Tage lang unter einem Boddhibaum meditierte, wurde er immer wieder vom Dämonenfürsten Mara und seiner Yak Armee, in Form verschiedenster Versuchungen angegriffen. Letztendlich beschwor Buddha die Erdgöttin Mae Toranee, die Ihr Haar auswrang. In den herausströmenden Wassermassen ertrank der Dämonenfürst Mara und die überlebenden Yaks schloßen sich Buddha an.


Das Buch: Mundo Verlag - Edition Samuel Degen


Die Erinnerung: 20 Jahre später...


Viele Jahre hat es gedauert, bis ich nun endlich den Mut fasste, das größte Foto- Präsentationsprojekt meines Lebens anzugehen: Thailand.

Seit Jahrzehnten zieht es mich immer wieder dorthin, so dass es bisher 25 Foto-Reportagereisen wurden, die ich durch dieses faszinierende Land unternahm. Viele Fotos daraus wurden bislang weltweit veröffentlicht, aber nie als Gesamtwerk.

So bin ich nun endlich dabei, komplett alle meine über 2.000 schw/w Negative und 5.000 Color-Dias zu digitalisieren. Hinzu kommen abertausende von Digitalfotos, die aufwändig überarbeitet werden müssen.

Ziel ist die Erstellung einer großen multimedialen Retrospektive unter dem Titel:

Thailand
Zwischen Tradition und Tourismus - im Wandel der Zeit
Ein Innenansicht von Samuel Degen

oder

Thailand
Sehnsucht nach Siam.

Siehe auch unseren Bildband aus den 80er Jahren.

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80er Jahre: Opiumbauern in ihrer Stelzenhütte


80er Jahre: Hilltribekinder in den Bergen des Goldenen Dreiecks


80er Jahre: Hilltribejungs beim hüten von Wasserbüffeln


80er Jahre: Junges Mädchen bei der klassischen Tanzausbildung

Das Projekt wird sicherlich ein Jahr Arbeit verschlingen - aber es lohnt sich. Allein meine wertvollen schw/w Aufnahmen aus den 80er Jahren sind jeglichen Aufwand der teuren Digitalisierung wert. Noch vor dem Ende des vergangenen Jahrhunderts gingen nämlich danach viele der uralter Kulturen der Opium Bauern der Berge, der Hill Tribe People in Nordthailand, unter, so dass viele meiner Aufnahmen unwiederbringliche Zeugnisse der Menschheitsgeschichte darstellen.

 


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